Agi: Gedanken dazu

Ein komplexes Thema und sicherlich würde es den Rahmen komplett sprengen, hier in´s Detail zu gehen.

Agility is fun! ist ein Spruch, der einfach etwas vermittelt, was so nur die halbe Wahrheit ist und oft wie eine politisch korrekte Parole vor sich her geschoben wird. Man sollte sich im Laufe seiner Agi-Ausbildung darüber klar werden, wohin man eigentlich will. Möchte ich “nur so zum Spaß” ein bißchen Hoppi machen, brauche ich weder eine BH noch eine Trainingsgruppe, die das Ziel Turnierstart hat. Dafür reicht es, wenn ich mich einer Fun-Gruppe oder einer Hundeschule anschließe. Stelle ich im Laufe dessen fest, dass mich der Virus doch packt, kann ich immer noch umdisponieren. Schwierigkeit dabei ist, den Sprung gut zu schaffen, denn vieles muß meistens neu aufgebaut werden. Habe ich meinen ersten Hund, aber sportliche Ziele, sollte ich mich vielleicht gleich Richtung Hundesportverein orientieren und dort den Weg gehen, der zwar nicht immer leicht ist, aber auf jeden Fall zielorientiert. (Ich empfehle dazu das Lied “Dieser Weg” – mußte ich mir mal täglich während eines Köhler-Seminars anhören – und paßt wirklich.)

Ausbildung, in welcher Form auch immer und für was auch immer, ist immer belgeitet von Höhen und Tiefen, Erfolg und Mißerfolg liegen sehr dicht beieinander, was diese Woche super lief, kann nächste Woche vollkommen in die Hose gehen. Beim Hundesport kommt erschwerend hinzu, dass wir nicht nur mit unserer eigenen Unzulänglichkeit kämpfen, sondern auch noch unserem Teampartner gerecht werden müssen. Unser Hund ist in der Regel nur so gut, wie wir in der Lage sind ihm zu vermitteln, was wir wollen. Fehler, es sei denn tatsächliche Wesensschwächen, die beim Hund vorhanden sind und das gibt es auch, sollte man immer zuerst bei sich suchen. Das wird – solange es Hundesport gibt – bis in alle Ewigkeit so bleiben.

Auch sollte sich jeder, der sich dafür entscheidet, darüber im klaren sein, dass dies auch ein langer Weg ist, man investiert Unmengen an Zeit, was für viele Hundeführer, die eine Familie haben und oft auch abends noch im Büro sitzen, schwer lösbar ist. Man braucht Ausdauer und und sollte sich immer wieder aufrappeln können, beide Eigenschaften sollten am besten überdurchschnittlich vorhanden sein. Geld kostet es übrigens auch… Gerade habe ich mal wieder neue Agi-Schuhe bestellt… Unsere Fahrten zu einem Turnier gestalten sich immer wie ein mittlerer Umzug, man kann sich kaum vorstellen, wie viel Equipment man so dabei haben kann.

Ich betreibe diesen Sport seit ca. 10 Jahren, ich habe viele Hunde ausgebildet und Teams gefördert. Roger ist seit 13 Jahren dabei und hat nochmal deutlich mehr “auf dem Buckel”. Wir haben viele Entwicklungen gesehen, Veränderungen in der Führtechnik, ebenso wie im Parcoursbau registriert und uns darauf eingestellt. Wir bemühen uns, den Trends, soweit sinnvoll, zu folgen, neues in unser Ausbildungsrepertoire aufzunehmen, immer wieder neue Möglichkeiten kritisch zu beleuchten.

Eins bleibt für uns aber immer gleich: Ein sportlich geführter Hund braucht nicht nur bestimmte Voraussetzungen, sondern auch eine spezielle Ansprache und Ausbildung, die sich deutlich von der eines reinen Familienhundes unterscheidet.

Wir sind der Meinung, das sich ein Hufü, der zumindestens so viel Ehrgeiz hat, dass er die Leistungsklassen wechseln möchte, sich mit mehr auseinander setzen muß, als seinen Hund von Gerät 1 bis 20 irgendwie durch den Parcours zu lotzen. Denn, mal abgesehen vom Hund, auf den ja immer so viel Augenmerk gelegt wird, sollte der Hundeführer auch bestimmte Voraussetzungen mitbringen, denn das erleichtert ungemein das Lernen und Laufen mit dem Hund. Gute Motorik und eine Lernfähigkeit, die sich auch auf körperliche Abläufe bezieht, sind schon mal prima. Aus der Erfahrung kann ich sagen, dass die Menschen, die sich schon viel sportlich betätigt haben und mit einem Trainer gearbeitet haben, hier deutliche Vorteile mitbringen. Konzentrationsfähigkeit, Reaktionsschnelle, eine gute Beobachtungsgabe und ein gewisser Mut, auch mal das Herz vorauszuwerfen schaden auf jeden Fall nix. Das meiste davon ist erlernbar, aber, man sollte sich auf JEDEN Fall gerne schnell bewegen, sonst wird es wirklich schwer, denn es ist einfach mal ein Sport, nicht nur für den Hund, sondern auch für den Menschen. Und natürlich: Man sollte in der Lage sein, seinen Hund zu lesen, das ist sozusagen eine der selbstverständlichen Grundvorraussetzungen: Ohne ein Verständnis für das Wesen des Hundes und seine persönlichen Eigenarten bzw. auch kein Interesse daran, sich damit auseinander zu setzen, kann man es sowieso “in die Tonne hauen”. Hundesport ist Teamwork – ohne WENN und ABER.

Für den Hund steht bei mir ganz oben auf der Liste:

Eine gewisse Stressresistenz und Arbeitsfreude soll er mitbringen und natürlich gesund muß er sein. Nicht alle Hunde haben Spaß daran, manche sind körperlich nicht geeignet, solchen Gegebenheiten sollte man überaus viel Beachtung schenken, denn ohne Spaß an der Sache sollte man es vielleicht dabei belassen und sich anderen Dingen zuwenden, die zum Hund und seinen Eigenarten besser passen.

Triebaufbau, Bindung, auch Kontrolle sind wichtig. Wie man dies erarbeitet, da führen viele Wege nach Rom. Wir arbeiten unsere und auch andere Hunde je nach Temperament und Veranlagung unterschiedlich und lassen uns viel einfallen, wenn nötig, um die Freude des Hundes an der Arbeit sehr hoch zu halten. Das ist nicht mit jedem Hund gleich einfach, wie oben erwähnt, bringen Hunde ja wie wir Menschen unterschiedliche Voraussetzungen mit.

…und laßt den Hund noch Hund sein, es sind Lebewesen, mit Stärken und Schwächen, guten und schlechten Tagen, nicht alles läßt sich planen, nur wenige “Karrieren” laufen stringend durch.

Wichtig ist und das sei das Schlusswort: Hund und Mensch sollen ein Team werden und bilden und das braucht Zeit, aber, wenn dieses Gefühl wächst, dann wird man spätestens zum Junkie, denn das macht süchtig: der strahlende Pimpf neben einem, der vor Erwartung bebt und mit dem man gemeinsam ein Ziel erreicht. Und dann ist auch Agility FUN – aber davor steht viel, viel Arbeit.

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